Überleben im Hotel

Für den Fall, dass gerade jemand darüber nachdenkt, in eine dieser Toast-Maschinen, wie sie gelegentlich in postimperialen britischen Hotelfrühstückssälen herumstehen (vorne kommt eine Sandwichscheibe aufs ruckelnd rotierende Förderband und bis die als goldbrauner Toast hinten wieder rausgefallen ist, kann man sich schon mal einen Grapefruitsaft oder eine Portion dicke Bohnen holen) – für den Fall also, dass jemanden gerade die Frage umtreibt, ob man sich darin nicht auch ein Croissant knusprig aufbacken könnte –
Tun Sie das nicht.
Während der ersten zwei, drei Inches auf dem Weg in den Schlund der Apparatur geht alles noch gut. Dann zeigt sich, dass ein Croissant doch ausladender ist als eine schlanke Sandwichscheibe, das Gebäck kommt also – wie Ikarus – der Sonne zu nahe, schon beginnt eine der abblätternden Krumen zu glühen, fängt Feuer und im nächsten Moment lodert das komplette Hörnchen lichterloh auf. Das ist – unterstützt durch die starke Rauchentwicklung – nichts, was sich dem vollbesetzten Frühstücksraum leicht verheimlichen ließe, zudem steht unterdessen die ganze Maschine in Flammen. Das flackernde Lichterspiel auf den Gesichtern der anderen Hotelgäste gibt dem frühen Morgen eine wildromantische Note. Wie an einem gemütlichen Kaminabend schauen nun alle gemeinsam ins Feuer, beseelt hängt jeder seinen Gedanken nach. Und wie bei einem richtigen Kaminabend hakt es auch hier irgendwann mit dem Rauchabzug, mittlerweile schlägt das spürbar auf die Atemwege. Die herbeieilenden Servicekräfte sind dankbar, wenn man ihnen während ihrer Löscharbeiten nicht allzusehr im Weg herumsteht, sondern sich still mit einem Schälchen Porridge in eine der Ecken zurückzieht. 

Für Sie getestet. Damit Sie selbst unbeschwert durch den Morgen kommen. Gern geschehen.

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