Unterkunft

Weißt du, Berlin, wenn man nach einem Tag voller Agenturvisiten, Bewerbungsgespräche, Hitzewallungen, Autorenlunches, Bundeskanzlerinnen, Preisverleihungen und Galadiners bei Nacht sein wohlverdientes Hotel erreicht, um kurz die Beine hochzulegen, und der eigenwillige Herr an der Rezeption legt die ihm ausgehändigte Buchungsbestätigung zur Seite, wühlt eine Weile in seinem Monitor, schaut dann langsam auf und sagt die unsterblichen Worte »Es gibt Sie nicht« und beschreibt damit genau, wie gespenstisch man sich tatsächlich gerade fühlt, so dass einen unversehens der Wunsch überkommt, ein bisschen an seiner Schulter zu weinen, als er fortfährt: »Trifft sich gut, wir haben ohnehin nichts mehr frei«, worauf man mit brüchiger Stimme vorschlägt, einfach so lange die Luft anzuhalten, bis sich in irgendeinem Keller ein Lager findet, und das nächste, woran man sich erinnert, ist der Rücksitz eines Autos, das einen in namenlose Vororte fährt, wo sie einem zur Wiedergutmachung eine Suite von Größe und Ausstattung eines kleinen Dorfes überlassen, dabei will man einfach nur für eine Handvoll lammfrommer Stunden endlich etwas Ruhe, dann, Berlin, weißt du, hat man schon wieder fast ein klein wenig genug von dir.

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